Alle deutschen Wortvergleiche · Zur zugehörigen Übersicht
Lernniveau: A1–B1
Wissen, kennen, erkennen und kennenlernen: vier Arten von Kenntnis
Wissen betrifft meist eine Tatsache oder Antwort. Kennen bezeichnet Vertrautheit mit Personen, Orten oder Dingen. Erkennen heißt identifizieren, auch eine Tatsache einsehen. Kennenlernen ist das Entstehen von Vertrautheit. Diese Schwerpunkte helfen; falsch wäre die Regel, wissen könne niemals ein Substantivobjekt haben.
| Wort | Grundbedeutung | Typischer Kontext | Grammatik |
|---|---|---|---|
| wissen | Information besitzen | Antworten und dass-Sätze | Weiß; wusste; hat gewusst. |
| kennen | vertraut sein | Personen, Orte und Werke | Akkusativobjekt; kannte. |
| erkennen | identifizieren; einsehen | Person, Muster oder Problem | Akkusativ; erkannte. |
| kennenlernen | vertraut werden | Neue Kontakte und Orte | Trennbar: lernt … kennen. |
wissen
Bedeutung und Verwendung: Wissen passt zu formulierbaren Informationen: Abfahrtszeit, Antwort oder Geschehen. Häufig nennt ein Satz den Inhalt; auch die Antwort wissen ist standardsprachlich möglich.
Grammatik: Unregelmäßig: ich weiß, du weißt, wir wissen; wusste, hat gewusst. Im dass-Satz steht das konjugierte Verb am Ende. Auch indirekte Fragen: wissen, wann … .
Ich weiß, wann der Kurs beginnt.
Englische Übersetzung: I know when the course starts.
kennen
Bedeutung und Verwendung: Kennen nennt Vertrautheit mit einer Person, Stadt, einem Lied oder Verfahren. Es verspricht keine tiefen Fachkenntnisse. Ergänze gut oder nur vom Namen, wenn der Grad wichtig ist.
Grammatik: Gemischtes Verb: kannte, hat gekannt. Meist Akkusativobjekt. Wir kennen uns nennt gegenseitige Bekanntschaft; uns bezieht sich hier auf beide Personen.
Ich kenne die Stadt, aber nicht jedes Viertel.
Englische Übersetzung: I know the city, but not every neighborhood.
erkennen
Bedeutung und Verwendung: Erkennen identifiziert Wahrgenommenes oder bemerkt ein wichtiges Merkmal. Stimme oder andere Hinweise können helfen. Es ist nicht auf zuvor getroffene Personen beschränkt: Auch ein Problem lässt sich erkennen.
Grammatik: Untrennbares er-: erkannte, hat erkannt ohne ge-. Person oder Sache im Akkusativ; an + Dativ kann den Erkennungshinweis nennen.
Ich erkenne Paul an seiner Stimme.
Englische Übersetzung: I recognize Paul by his voice.
kennenlernen
Bedeutung und Verwendung: Kennenlernen beschreibt Vertrautheit durch Kontakt. Neben Personen passen eine neue Stadt oder eine andere Lebensweise.
Grammatik: Trennbare Zusammensetzung: Ich lerne sie kennen; hat kennengelernt; kennenzulernen. Auch kennen lernen ist erlaubt. Akkusativobjekt.
Im Kurs habe ich meine Nachbarin kennengelernt.
Englische Übersetzung: I met my neighbor in the course.
Überschneidungen und Kontext
Ich kenne die Antwort und Ich weiß die Antwort können beide passen: Vertrautheit gegenüber verfügbarer Information. Ich kenne Lea nennt eine bestehende Bekanntschaft; Ich lerne Lea kennen den Weg dorthin. Erkennen betont Identifikation, nicht die Dauer der Bekanntschaft.
Häufige Fehler
- Ersetze Ich kenne Lea nicht durch Ich weiß Lea.
- Kennenlernen betrifft nicht nur Personen.
- Im gewöhnlichen Präsens heißt es ich weiß. Ich wisse ist keine normale Präsensaussage.
Merkhilfe: Die Tatsache wissen, die Person kennen, die Stimme erkennen, die Person kennenlernen. Das sind Einstiegsbilder, keine starren Übersetzungsregeln.
Probiere es aus
Du hast die Frau bereits getroffen. Ergänze: Ich ___ sie an ihrem Lachen.
Antwort anzeigen
erkenne
An ihrem Lachen nennt den Erkennungshinweis. Kenne würde Vertrautheit nennen, aber die Identifikation nicht so klar ausdrücken.
Quellen zu Bedeutung und Verwendung
Zwei Fragen, zwei hilfreiche Antworten
Eine Kollegin fragt: „Kennst du die Stadtbibliothek?“ Sie möchte wissen, ob dir der Ort vertraut ist. Die Frage „Weißt du, wann die Stadtbibliothek schließt?“ betrifft dagegen eine konkrete Information. Du kannst den Ort kennen und die Schließzeit trotzdem nicht wissen.
Vertrautheit muss nicht aus einer persönlichen Begegnung entstehen. „Ich kenne diese Sängerin“ kann bedeuten, dass du ihre Musik kennst. Es muss nicht heißen, dass du sie privat getroffen hast. Ergänze bei Bedarf: „Ich kenne sie nur aus Interviews.“
Ein Nomen nach kennen, ein Satz nach wissen
Ein einfacher Ausgangspunkt ist jemanden oder etwas kennen: „Ich kenne den Kursleiter“, „Wir kennen diese Aufgabe“. Die Person oder Sache steht in diesen Beispielen im Akkusativ.
Wissen verbindet sich häufig mit einem dass-Satz oder einer indirekten Frage: „Ich weiß, dass der Kurs später beginnt“; „Weißt du, ob der Raum frei ist?“ Im Nebensatz steht das gebeugte Verb am Ende. Für diese Satzmuster ersetzt du wissen nicht einfach durch kennen.
| Du möchtest sagen … | Passender Beispielsatz |
|---|---|
| Eine Aussage ist dir bekannt. | Ich weiß, dass der Zugang heute gesperrt ist. |
| Die Antwort auf eine Frage ist dir bekannt. | Wir wissen, wo der Ersatzschlüssel liegt. |
| Eine Person oder Sache ist dir vertraut. | Ich kenne den neuen Kursraum. |
Warum auch ich kenne die Antwort richtig sein kann
Die Nomen-Regel ist keine vollständige Bedeutungsregel. „Ich weiß die Antwort“ und „Ich kenne die Antwort“ können beide passen. Wissen hebt die verfügbare Information hervor; kennen kann die Bekanntheit dieser Antwort ausdrücken. Auch bei Namen und Wegen gibt es Überschneidungen.
Vermeide deshalb eine starre Übung, in der nach jedem Nomen automatisch kennen stehen soll. Frage zuerst: Welches Satzmuster liegt vor? Welche Art von Bekanntheit oder Information möchte die Person betonen? Wenn der Kontext keine eindeutige Auswahl liefert, sind mehrere Lösungen möglich.
Weiß, wusste, gewusst – kenne, kannte, gekannt
| Verb | Präsens | Präteritum | Perfekt |
|---|---|---|---|
| wissen | ich weiß / du weißt / er weiß | wusste | hat gewusst |
| kennen | ich kenne / du kennst / er kennt | kannte | hat gekannt |
Bei wissen ist der Singular besonders: ich weiß, du weißt, sie weiß. Im Plural heißt es wir wissen, ihr wisst, sie wissen. Achte auf die Schreibung mit ß in weiß, aber mit ss in wissen, wusste und gewusst.
Die Form kannte beschreibt eine frühere Bekanntheit: „Damals kannte ich die Abkürzung noch nicht.“ Ob diese Bekanntheit heute noch besteht, muss der Zusammenhang zeigen.
Kennenlernen ist der Beginn, kennen ist die Vertrautheit
„Am ersten Arbeitstag lerne ich Elif kennen“ beschreibt den Beginn einer Bekanntschaft. „Nach einigen Wochen kenne ich Elif besser“ beschreibt die inzwischen entstandene Vertrautheit. Erkennen kann dagegen bedeuten, jemanden wiederzuerkennen: „Mit der neuen Brille habe ich Elif zuerst nicht erkannt.“
Diese verwandten Verben werden im vollständigen Wortvergleich erläutert. Für Lernen, Gedächtnis und Erinnerungen gibt es weitere Gruppen im Überblick zu Lernen und Erinnern.
Übungen: Entscheide, forme um und begründe
Löse zuerst die Aufgabe. Öffne danach die Erklärung. Wo mehrere Formulierungen passen, nennt die Lösung ausdrücklich die möglichen Varianten.
Ergänze für Vertrautheit mit einer Person: Ich ___ unseren neuen Hausmeister.
Lösung und Erklärung
kenne
Kennen passt zur Bekanntheit einer Person.
Ergänze: Ich ___, dass der Hausmeister heute frei hat.
Lösung und Erklärung
weiß
Vor diesem dass-Satz ist wissen das passende Satzmuster.
Ergänze die zweite Person: ___ du, wo die Ersatzkarte liegt?
Lösung und Erklärung
Weißt
Die zweite Person Singular lautet du weißt.
Ordne die Wörter: ich / weiß / nicht, / ob / frei / der Raum / ist
Lösung und Erklärung
Ich weiß nicht, ob der Raum frei ist.
In der indirekten Frage mit ob steht das finite Verb ist am Ende.
Bilde das Präteritum: Wir kennen die Abkürzung nicht.
Lösung und Erklärung
Wir kannten die Abkürzung nicht.
Das Präteritum von kennen lautet kannte; im Plural kannten.
Ergänze das Partizip II: Das habe ich vorher nicht ___. (wissen)
Lösung und Erklärung
gewusst
Das Partizip II lautet gewusst.
Bewerte: Ich weiß die Antwort. / Ich kenne die Antwort.
Lösung und Erklärung
Beide Sätze können richtig sein.
Bei Antwort besteht eine Bedeutungsüberschneidung. Ein Nomen erzwingt nicht grundsätzlich kennen.
Bedeutet Ich kenne die Schauspielerin zwingend, dass ich sie persönlich getroffen habe?
Lösung und Erklärung
Nein.
Die Person kann dir auch aus Filmen oder Interviews bekannt sein. Für eine persönliche Begegnung braucht es zusätzlichen Kontext.
Häufige Fragen
Kann wissen mit einem Nomen stehen?
Ja. Zum Beispiel sind ich weiß die Antwort oder ich weiß seinen Namen möglich. Die Faustregel Nomen = kennen ist deshalb zu starr.
Heißt es ich wissen oder ich weiß?
Die erste Person Singular lautet ich weiß. Weitere Formen sind du weißt, er weiß und im Plural wir wissen.
Ist kennen dasselbe wie kennenlernen?
Nein. Kennenlernen beschreibt den Beginn einer Bekanntschaft oder Vertrautheit. Kennen beschreibt, dass jemand oder etwas bereits bekannt ist.
Schreibt man kennenlernen oder kennen lernen?
Beide Schreibungen sind möglich. Duden empfiehlt kennenlernen als zusammengeschriebene Form. Entsprechend sind auch kennengelernt und kennen gelernt sowie kennenzulernen und kennen zu lernen zulässig. Für einen einheitlichen eigenen Text kannst du die empfohlene Zusammenschreibung verwenden. Die Bedeutung bleibt dabei gleich.
Ist wissen nur mit einem Nebensatz und kennen nur mit einem Nomen möglich?
Diese Regel wäre zu streng. Ich weiß, wann der Kurs beginnt ist ein typisches Muster mit wissen. Wissen kann aber auch ein Nomen als Objekt haben, etwa Ich weiß die Lösung. Kennen beschreibt häufig Vertrautheit: Ich kenne die Kursleiterin. Lerne Bedeutung und Satzmuster zusammen, statt nur nach dem nächsten Wort zu entscheiden.
