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Partizipialattribute: Partizip I, Partizip II und erweiterte Attribute

Partizipien können ein Nomen wie Adjektive näher bestimmen: die wartenden Gäste, die reparierten Geräte. Bestimme zuerst die Rolle des Nomens im Vorgang, bilde dann das Partizip und ergänze die passende Adjektivendung. Erweiterte Attribute nehmen weitere Verbteile vor dem Nomen auf. Dieser Leitfaden führt von den Grundformen zu Gerundiv und freien Partizipialgruppen. Bei jeder Umformung muss die Bedeutung erhalten bleiben.

Von der Rolle des Nomens ausgehen

Ein Partizipialattribut beschreibt ein Nomen und behält dabei eine Beziehung zu einem Verb. Frage zuerst: Was tut das Nomen, oder was geschieht mit ihm? Partizip I stellt normalerweise einen aktiven Vorgang dar. Partizip II kann ein betroffenes Objekt oder einen resultierenden Zustand beschreiben. Eine starre Gleichung „I = unfertig, II = passiv und fertig“ reicht aber nicht aus.

die wartenden Gäste / die angekommenen Gäste / die geprüften Unterlagen Im ersten Ausdruck warten die Gäste selbst; im zweiten sind sie angekommen. Bei ankommen beschreibt Partizip II das Subjekt. Die Unterlagen wurden dagegen geprüft. Rekonstruiere also vor einer Übersetzung zuerst das Verb und seine Beteiligten.

Das Attribut auflösen

  1. Kernnomen

    die Geräte

    Zuerst das Bezugsnomen finden.

  2. Vorgang

    die reparierten Geräte

    Die Geräte sind von der Reparatur betroffen.

  3. Erweitertes Attribut

    die gestern von Nuri reparierten Geräte

    Zeit und Handelnder stehen innerhalb des Attributs.

  4. Relativsatz

    die Geräte, die Nuri gestern repariert hat

    Handelnden und früheren Vorgang erhalten.

Verdichtung verändert die Form, nicht die Rollen oder den Zeitbezug.

Erst das Partizip, dann die Endung bilden

Bildung und attributiver Gebrauch
GrundformPartizipNominalgruppe
wartenwartend (Infinitiv + d)die wartenden Gäste
sein / tunseiend / tuenddie Gutes tuenden Menschen
prüfengeprüftmit den geprüften Unterlagen
schreiben / bestellengeschrieben / bestelltein geschriebener Text / die bestellten Bücher
ankommen / reparierenangekommen / repariertdie angekommenen Gäste / ein repariertes Gerät

Partizip II folgt der Bildung des jeweiligen Verbs: regelmäßig ge-…-t, bei starken Verben häufig -en, bei trennbaren Verben ge im Inneren, bei untrennbaren Präfixen und -ieren kein ge. Prüfe unbekannte Formen einzeln. Vor einem Nomen erhält das Partizip zusätzlich die normale Adjektivendung. Nach dem Verb bleibt ein Prädikativ wie Die Tür ist geschlossen ohne Adjektivendung.

Das vollständige Endungssystem erklärt der Leitfaden zu Adjektivendungen.

Ein erweitertes Attribut vom Kern aus lesen

die von einer Technikerin gestern reparierten Geräte Suche zuerst Geräte: Plural mit die. Reparierten sagt, was mit den Geräten geschah; von einer Technikerin nennt die Handelnde, gestern die Zeit. Die ganze Attributgruppe steht vor dem Nomen. Die Adjektivendung erhält repariert, nicht jedes Wort der Gruppe. In mit den … Geräten steht die gesamte Gruppe im Dativ Plural; das Partizip lautet weiterhin reparierten.

die Geräte, die eine Technikerin gestern repariert hat Ein Relativsatz macht dieselbe Handelnde und dasselbe Ereignis leichter lesbar. Bewahre dabei Zeitbezug und Handlungsrichtung. Ein langes Attribut drückt nicht von selbst alle Tempusunterschiede aus. Verliert die Kurzform etwa einen Zukunftsplan, eine Ursache oder einen Vorbehalt, bleibe beim Relativsatz oder ergänze die Information.

Partizip II bedeutet nicht immer „abgeschlossen“

die seit Monaten diskutierte Frage Die Diskussion kann noch weitergehen. Das Partizip stellt eine Beziehung der Frage zum Verb diskutieren her; der Kontext bestimmt den Verlauf. Außerdem lässt sich nicht jedes Partizip II mit jeder beteiligten Person verbinden. Ein schlafender Mensch schläft; „ein geschlafener Mensch“ bedeutet nicht einen Menschen, der geschlafen hat. Nutze bei ungeeigneten Attributen einen Relativsatz.

Den Unterschied zwischen einer interessierten Person und einer interessanten Sache erklärt der Wortvergleich zu Gefühlen und Interesse.

Fortgeschritten: Notwendigkeit oder Möglichkeit mit zu

die noch zu prüfenden Rechnungen / ein leicht zu öffnender Deckel Das sind Gerundivattribute: zu + Partizip I + Adjektivendung. Die Rechnungen müssen noch geprüft werden; der Deckel kann leicht geöffnet werden. Das Nomen ist betroffen, anders als beim gewöhnlichen aktiven Partizip I. Ob Notwendigkeit oder Möglichkeit gemeint ist, entscheidet der Kontext. Bei trennbaren Verben steht zu im Inneren: einzureichen → einzureichend → die einzureichenden Unterlagen.

Solche verdichteten Formen sind in formellen Anweisungen und Fachtexten häufig. Mündlich ist ein Relativsatz mit müssen oder können oft verständlicher. Eine kurze Form wie ein leicht zu öffnender Deckel kann aber auch außerhalb formeller Texte natürlich sein. Das Register ist eine Tendenz, kein Verbot.

Fortgeschritten: freies Partizip mit klarem Subjekt

Vom langen Warten erschöpft, setzte sich Mara auf die Bank. Mara ist erschöpft, und Mara setzt sich. Die vorangestellte Partizipialgruppe hat dasselbe mitgedachte Subjekt wie der Hauptsatz. Das Komma grenzt die freie Beschreibung ab. Nachdem Mara lange gewartet hatte, setzte sie sich … legt den Zeitbezug ausdrücklich fest; die Partizipialgruppe allein kodiert nicht automatisch genau diese nachdem-Beziehung.

Vom langen Warten erschöpft, fuhr der Bus endlich vor. Diese Fassung macht bei der beabsichtigten Lesart den Bus zum erschöpften Beteiligten. Klarer ist: Als Mara vom Warten erschöpft war, fuhr der Bus endlich vor. Übertrage englische -ing-Anfänge nicht ohne Prüfung der deutschen Form und ihres Subjektbezugs.

Acht Umformungen und Prüfungen

1. Bilde ein Attribut: „Gäste, die warten“ mit die.

die wartenden Gäste. warten + d ergibt Partizip I; nach die im Plural steht -en.

2. Ergänze: „mit den gestern repariert___ Geräten“.

reparierten. Dativ Plural nach den verlangt -en; Geräten trägt zusätzlich Dativ-Plural-n.

3. Wähle für bereits eingetroffene Gäste: angekommenen oder ankommenden?

die angekommenen Gäste. Sie sind angekommen; ankommenden beschreibt den Vorgang des Ankommens.

4. Ist die Diskussion in „die seit Monaten diskutierte Frage“ sicher beendet?

Nein. Die Diskussion kann weitergehen; der Kontext bestimmt den Verlauf.

5. Löse auf: „ein leicht zu öffnender Deckel“ mit können.

ein Deckel, der leicht geöffnet werden kann. Das Gerundiv bedeutet hier passive Möglichkeit.

6. Die Abgabe bis Freitag ist vorgeschrieben. Löse „die bis Freitag einzureichenden Unterlagen“ auf.

die Unterlagen, die bis Freitag eingereicht werden müssen. Die Vorschrift liefert die Notwendigkeit.

7. Ersetze „ein geschlafener Gast“, gemeint ist ein Gast nach dem Schlafen.

ein Gast, der geschlafen hat. Dieser Subjektbezug erlaubt hier kein solches Partizip-II-Attribut.

8. Wer ist erleichtert? „Über das Ergebnis erleichtert, rief Jonas seine Schwester an.“

Jonas. Die freie Partizipialgruppe bezieht sich auf das Subjekt des Hauptsatzes.

Eine Mitteilung und eine mündliche Fassung schreiben

Schreibe eine Mitteilung mit vier Sätzen über Reparaturen in einem gemeinsamen Gebäude. Verwende ein aktives Partizip-I-Attribut, ein Partizip-II-Attribut mit handelnder Person und ein Gerundiv mit einer eindeutig verpflichtenden Frist. Erkläre die Mitteilung anschließend mündlich mit Relativsätzen. Prüfe, ob Handelnde, Zeitbezug und Pflicht erhalten bleiben. Ist die Kurzform schwer verständlich, behalte den klareren Satz.

Fragen zu diesem Thema

Ist Partizip II immer passiv?

Nein. Die angekommenen Gäste sind selbst angekommen. Verbbedeutung und Beteiligtenstruktur bestimmen die Lesart.

Bedeutet das Gerundiv immer müssen?

Nein. Es kann passive Notwendigkeit oder Möglichkeit ausdrücken. Ein leicht zu öffnender Deckel beschreibt normalerweise eine Möglichkeit.

Quellen und weiterführendes Lernen

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