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Possessivartikel und Possessivpronomen richtig wählen

Bei einer Possessivform triffst du zwei Entscheidungen: Zu wem gehört etwas, und welches Nomen wird begleitet oder ersetzt? Der Stamm zeigt den Bezug; die Endung passt zum Nomen und zum Kasus. Vergleiche deshalb mein Rucksack mit meiner und mein Handy mit meins.

Besitzer und Nomen getrennt bestimmen

Amir hat eine Tasse. Das ist seine Tasse.: Der Stamm sein- verweist auf Amir. Die Endung -e gehört zu die Tasse. Das grammatische Geschlecht des Nomens muss also nicht zum Geschlecht der besitzenden Person passen. Umgekehrt: Lina hat einen Rucksack. Das ist ihr Rucksack.

Zugehörigkeit meint mehr als Eigentum: meine Schwester, unser Kurs, Ihr Termin. Prüfe zuerst den Zusammenhang. Kleines ihr- kann auf eine einzelne Frau oder eine Gruppe verweisen. Eine Endung allein löst diese Mehrdeutigkeit nicht; manchmal ist ein wiederholter Name verständlicher.

Zuerst die Form für die Zugehörigkeit wählen
Besitzer / BezugPossessivstamm
ichmein-
dudein-
ersein-
sie (Singular)ihr-
essein-
wirunser-
ihreuer- / eur-
sie (Plural)ihr-
SieIhr-

Wenn ein Nomen folgt: die Artikelendung wählen

Ein Possessivartikel steht vor dem Nomen. Seine Endungen entsprechen hier dem Muster der ein-Wörter. Bestimme zuerst den Kasus der ganzen Wortgruppe, danach Genus und Numerus des Nomens. Der Besitzer legt den Stamm fest, nicht den Kasus.

Vergleiche Mein Rucksack ist schwer und Ich suche meinen Rucksack. Der Besitzer bleibt gleich; aus dem Subjekt im Nominativ wird ein Akkusativobjekt. Ich spreche mit meiner Schwester verlangt nach mit den Dativ. Die ausführliche Dativ-Akkusativ-Übung hilft bei solchen Satzmustern.

Possessivartikel mit Nomen: das Muster mein
KasusMaskulin: der RucksackNeutrum: das HandyFeminin: die TaschePlural: die Freunde
Nominativmein Rucksackmein Handymeine Taschemeine Freunde
Akkusativmeinen Rucksackmein Handymeine Taschemeine Freunde
Dativmeinem Rucksackmeinem Handymeiner Taschemeinen Freunden
Genitivmeines Rucksacksmeines Handysmeiner Taschemeiner Freunde

Im Dativ Plural bekommt häufig auch das Nomen ein -n: mit meinen Freunden. Die Genitivzeile dient zunächst zum Wiedererkennen; die Genitiv-Erklärung behandelt die Nomen genauer. Ein zusätzliches Adjektiv braucht eine eigene Endung: mein neuer Rucksack. Dafür gibt es die Anleitung zu Adjektivendungen.

Wenn das Nomen entfällt: ein Pronomen einsetzen

Das ist mein Rucksack: Der Artikel begleitet das Nomen. Der Rucksack dort ist meiner: Das Pronomen ersetzt die bekannte Wortgruppe. Deshalb steht im maskulinen Nominativ meiner und nicht allein mein. Bei einem Nomen im Neutrum lautet der Unterschied mein Handy → meins; auch meines ist möglich.

Die folgende Tabelle gilt für selbstständige Formen in drei häufigen Kasus. Andere Stämme funktionieren entsprechend: dein Rucksack → deiner, dein Handy → deins. Manche Formen stimmen mit den Artikelformen überein. Gerade die endungslosen Felder im maskulinen und Nominativ des Neutrums lassen sich aber nicht unverändert übernehmen. Frage deshalb immer: Folgt noch ein Nomen?

Selbstständige Possessivpronomen: Bezug auf ein bekanntes Nomen
KasusMaskulinNeutrumFemininPlural
Nominativmeinermeins / meinesmeinemeine
Akkusativmeinenmeins / meinesmeinemeine
Dativmeinemmeinemmeinermeinen

Euer, eure und höfliches Ihr auseinanderhalten

Zur vertrauten Anrede mehrerer Personen ihr gehört euer: Ist das euer Zimmer?. Vor einer Endung steht üblicherweise eur-: eure Wohnung, euren Rucksack, mit eurem Handy. ihr Zimmer kann dagegen „das Zimmer von ihr“ oder „das Zimmer von ihnen“ bedeuten.

Bei der höflichen Anrede Sie wird Ihr- großgeschrieben: Frau Nguyen, ist das Ihre Tasche?. Die Endung hängt weiterhin vom Nomen ab: Ihr Termin, Ihren Termin, mit Ihrer Kollegin. Antwortest du über dich selbst, wechselst du den Bezug: Ja, das ist meine Tasche.

Stamm, Endung und Funktion prüfen

Nenne vor jeder Lösung den Besitzer und das Genus des Nomens. Prüfe außerdem, ob das Nomen noch im Satz steht. Begründe die Endung, statt nur nach dem Klang zu entscheiden.

  1. Amir hat eine Tasse. Das ist ___ Tasse. Ergänze die Zugehörigkeit zu Amir.

    Lösung und Begründung anzeigen

    Das ist seine Tasse. sein- verweist auf Amir; Tasse ist feminin und steht im Nominativ: -e.

  2. Lina sucht den Schlüssel. Sie sucht ___ Schlüssel. Es ist Linas Schlüssel; der Schlüssel ist Singular.

    Lösung und Begründung anzeigen

    Sie sucht ihren Schlüssel. Lina ergibt ihr-; das maskuline Akkusativobjekt verlangt -en.

  3. Ich spreche mit ___ Bruder. Gemeint ist mein Bruder.

    Lösung und Begründung anzeigen

    Ich spreche mit meinem Bruder. mit verlangt Dativ. Bei maskulinem Bruder lautet die Form meinem.

  4. Ist das dein Handy? – Ja, das ist ___.

    Lösung und Begründung anzeigen

    Ja, das ist meins. Auch meines ist richtig. Das Nomen im Neutrum entfällt; deshalb ist eine selbstständige Form nötig.

  5. Ihr habt ein Zimmer. Ist das ___ Zimmer?

    Lösung und Begründung anzeigen

    Ist das euer Zimmer? Der Besitzerbezug ist ihr. Vor dem Nomen im Neutrum im Nominativ bleibt euer ohne zusätzliche Endung.

  6. Ich warte vor ___ Wohnung. Ergänze euer in der passenden Form.

    Lösung und Begründung anzeigen

    Ich warte vor eurer Wohnung. Hier bezeichnet vor einen Ort und verlangt Dativ. Das feminine Nomen ergibt eurer.

  7. Frau Nguyen, ist das ___ Termin? Verwende die höfliche Anrede.

    Lösung und Begründung anzeigen

    Frau Nguyen, ist das Ihr Termin? Höfliches Ihr wird großgeschrieben. Maskuliner Nominativ vor dem Nomen hat keine zusätzliche Endung.

  8. Ich fahre mit ___ Freunden. Es sind meine Freunde.

    Lösung und Begründung anzeigen

    Ich fahre mit meinen Freunden. Dativ Plural verlangt meinen. Auch das Nomen bekommt hier -n.

  9. Ist das dein Koffer? – Ja, das ist ___.

    Lösung und Begründung anzeigen

    Ja, das ist meiner. Koffer ist maskulin. Ohne Nomen braucht das Pronomen im Nominativ -er.

Fragen zu diesem Thema

Wählt man sein, weil das folgende Nomen maskulin ist?

Nein. Der Stamm sein- gehört zu einem Besitzerbezug mit er oder es. Erst die Endung richtet sich nach dem folgenden Nomen und seinem Kasus: seine Tasche, sein Handy, seinen Rucksack.

Warum heißen beide Verwendungen manchmal Possessivpronomen?

Die Begriffe unterscheiden sich je nach Lehrwerk. Entscheidend ist die Funktion: mein begleitet ein Nomen; meiner oder meins ersetzen eine bekannte Nomengruppe. Prüfe deshalb immer die Überschrift und die Beispiele einer Tabelle.

Kann vor Handy die Form meins stehen?

Wenn das Nomen folgt, heißt es mein Handy. Fällt das bekannte Nomen im Neutrum weg, sind meins und meines möglich: Das Handy dort ist meins. Die selbstständige Form ist keine zusätzliche Artikelendung.

Quellen und weiterführendes Lernen

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