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Imperativ üben: du, ihr und Sie im Alltag

Mit dem Imperativ forderst du jemanden zu einer Handlung auf. Du kannst eine Aufgabe erklären, einen Freund hereinbitten oder vor einer Gefahr warnen. Entscheide zuerst, wen du ansprichst. Danach wählst du die Verbform und ergänzt die nötigen Informationen. Die Beispiele und Aufgaben sind eigens für diese Lektion geschrieben. A1–A2 bezeichnet hier eine Lernorientierung und keine festgestellte Sprachkompetenz.

Erst die Person, dann die Verbform

Du möchtest ein Fenster schließen lassen. Sprichst du mit einer Freundin, mit zwei Freunden oder mit einer unbekannten Person, die du siezt? Die Handlung bleibt gleich; die Form verändert sich. Behalte die Anrede bei, die zu eurer Beziehung passt. Eine Aufforderung ist kein Anlass, plötzlich vom Sie zum Du zu wechseln.

Dieselbe Aufforderung mit du, ihr und Sie
AnredeAussagesatz zum VergleichAufforderung
duDu machst das Fenster zu.Mach das Fenster zu!
ihrIhr macht das Fenster zu.Macht das Fenster zu!
SieSie machen das Fenster zu.Machen Sie das Fenster zu!
du / ihr / SieseinSei ruhig! / Seid ruhig! / Seien Sie ruhig!

Bei du und ihr steht das Pronomen normalerweise nicht dabei. In der Sie-Form bleibt das großgeschriebene Sie hinter dem Verb stehen. Nenne nach der Handlung, was die andere Person zur Ausführung braucht. Bitte kann auch am Satzanfang stehen.

Stamm und wichtige Sonderformen prüfen

Bei vielen regelmäßigen Verben reicht für du der Stamm: machen → Mach!. Oft ist auch eine Form mit -e möglich. Im Alltag hörst du häufig die kurze Variante. In standardsprachlichen Formen wie Warte! oder Arbeite! bleibt der zusätzliche Vokal erhalten. Für ihr nimmst du die Präsensform ohne Pronomen: Ihr wartet → Wartet!. Für die Sie-Anrede heißt es Warten Sie!.

Diese Formen helfen beim Vergleichen
InfinitivEine Person: duMehrere Personen: ihr
lesenLies den ersten Satz!Lest den ersten Satz!
nehmenNimm eine Nummer!Nehmt eine Nummer!
fahrenFahr langsam!Fahrt langsam!
wartenWarte hier!Wartet hier!
aufmachenMach die Tür auf!Macht die Tür auf!
sich setzenSetz dich hierhin!Setzt euch hierhin!

Der Wechsel e zu i oder ie erscheint etwa in Gib! und Lies!. An Lies hängt kein zusätzliches -e. Der Präsens-Umlaut aus du fährst fehlt dagegen in Fahr!. Kontrolliere deshalb die ganze Form, statt nur eine Endung zu streichen.

Präfix und Pronomen gehören dazu

Bei einem trennbaren Verb steht das Präfix am Ende: Ruf mich nach der Arbeit an!. Ein reflexives Pronomen bleibt erhalten und passt zur Anrede: Setz dich!, Setzt euch!, Setzen Sie sich!. Hier brauchst du diese Formen für die Aufforderung; die Beispiele ersetzen keinen vollständigen Kurs über reflexive oder trennbare Verben.

Eine negative Aufforderung kann das Wort nicht enthalten: Öffne die Datei nicht!. Formuliere möglichst genau, was unterbleiben soll. Lies den Namen nicht laut vor! ist konkreter als Lies nicht!. Für weitere Satzmuster gibt es die Sprechübungen zur deutschen Wortstellung.

Eine Aufforderung braucht einen passenden Ton

Komm rein! kann eine freundliche Einladung sein. Stopp! kann vor einer unmittelbaren Gefahr warnen. Eine knappe Aufforderung im Kollegenkreis kann dagegen schroff wirken, wenn der Anlass fehlt. Bitte hilft oft; Beziehung, Tonfall, Zeitpunkt und Umfang der Bitte bleiben trotzdem wichtig.

Bei einem freiwilligen Gefallen lässt eine Frage häufig mehr Spielraum: Können Sie mir kurz helfen?. Bei einem vereinbarten Ablauf kann Unterschreiben Sie bitte hier. passen. Entscheidend ist die Situation. Nicht jede Frage klingt automatisch höflich, und nicht jeder Imperativ ist unhöflich. Geht es eigentlich um Erlaubnis oder Verpflichtung, hilft der Ratgeber zu Modalverben.

Acht Aufforderungen selbst bilden

Sprich deine Lösung zuerst laut aus. Kontrolliere dann Anrede, Verbform und zusammengehörige Satzteile. Die Antworten zeigen jeweils eine passende Formulierung zur Aufgabe; andere Wörter können je nach Kontext ebenfalls passen.

  1. Eine Freundin: ausmachen / bitte / das Licht
    Lösung und Begründung anzeigen

    Mach bitte das Licht aus! Der Stamm mach passt zu du; aus steht am Ende.

  2. Zwei Freunde: nehmen / die kleinen Tassen
    Lösung und Begründung anzeigen

    Nehmt die kleinen Tassen! Für ihr brauchst du nehmt, nicht die Singularform nimm.

  3. Ein Besucher, den du siezt: warten / einen Moment
    Lösung und Begründung anzeigen

    Warten Sie einen Moment! Sie bleibt bei dieser Anrede hinter dem Verb.

  4. Eine Freundin: lesen / die Nachricht
    Lösung und Begründung anzeigen

    Lies die Nachricht! Lesen hat hier den Stammvokal ie und kein zusätzliches -e.

  5. Ein Freund: fahren / vorsichtig
    Lösung und Begründung anzeigen

    Fahr vorsichtig! Der Umlaut aus fährst steht nicht im Imperativ fahr.

  6. Mehrere Freunde: sich setzen / auf die Bank
    Lösung und Begründung anzeigen

    Setzt euch auf die Bank! Das reflexive Pronomen zur ihr-Anrede lautet euch.

  7. Eine Freundin: anrufen / mich / morgen
    Lösung und Begründung anzeigen

    Ruf mich morgen an! Das Präfix an steht am Ende der Aufforderung.

  8. Ein Besucher mit Sie-Anrede: sein / bitte / pünktlich
    Lösung und Begründung anzeigen

    Seien Sie bitte pünktlich! Die passende Form des Verbs sein lautet seien Sie.

Übe auch die Antwort

Verbinde die Aufforderung mit einer Reaktion: Mach bitte die Tür zu! – Ja, mache ich. Oder frage eine fehlende Information nach: Rufen Sie morgen an. – Um wie viel Uhr? Tausche anschließend nur die Anrede aus. Wähle aus den Alltagsszenarien eine Situation und formuliere eine Aufforderung, die dort einen klaren Zweck hat.

Fragen zu diesem Thema

Kann ich bei du immer nur -st streichen?

Nein. Bei Lies! und anderen Formen musst du den passenden Imperativstamm kennen. Lerne die Form deshalb mit dem Infinitiv und einem kurzen Beispielsatz.

Ist jeder Imperativ mit bitte höflich?

Nein. Bitte ist nur ein Bestandteil. Auch Tonfall, Beziehung und die Frage, ob die andere Person die Bitte gut erfüllen kann, spielen eine Rolle.

Sind ihr-Form und Sie-Form gleich?

Nein. Mehrere Personen, die du duzt, forderst du mit Wartet! auf. Bei der Sie-Anrede sagst du Warten Sie!, unabhängig davon, ob eine oder mehrere Personen gemeint sind.

Quellen und weiterführendes Lernen

Quellenlinks geprüft: .

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