Die gemeinte Bedeutung erkennen
Bei Ich habe den Schlüssel verloren ist ich die Person, die den Schlüssel nicht mehr hat. Der Satz nennt einen Verlust; er beschreibt nicht nur, dass auf einer Liste ein Gegenstand fehlt. Verlieren hat darüber hinaus viele Bedeutungen, etwa ein Spiel verlieren. Diese lassen sich nicht pauschal auf fehlende Dinge reduzieren.
Bei Mir fehlt der Schlüssel ist der Schlüssel das Subjekt. Mir nennt die betroffene Person im Dativ. Fehlen kann aber auch schlicht Abwesenheit ausdrücken: Eine Seite fehlt. Mit vermissen steht dagegen die wahrnehmende beziehungsweise empfindende Person als Subjekt: Ich vermisse meine Freundin. Das vermisste Gegenüber steht im Akkusativ.
| Wort | Gemeinter Schwerpunkt |
|---|---|
| verlieren | Ein Verlust aus Sicht dessen, der etwas nicht mehr hat |
| fehlen | Abwesendes als Subjekt; betroffene Person gegebenenfalls im Dativ |
| vermissen | Wahrnehmende Person als Subjekt, Vermisstes im Akkusativ |
Einzelne Beiträge, Transkript und Audiodateien
Mir fehlen zwei Blätter. Ich vermisse dich.
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Die Wörter im vollständigen Satz verwenden
Vergleiche Du fehlst mir und Ich vermisse dich. Beide können dieselbe Sehnsucht ausdrücken, doch Subjekt, Pronomen und Verbform wechseln. Bei mehreren Dingen heißt es Mir fehlen zwei Seiten, weil das Subjekt zwei Seiten im Plural steht. Lerne außerdem verliert, verlor, hat verloren sowie vermisst, vermisste, hat vermisst. Die ähnlichen Situationen erlauben nicht, die Ergänzungen unverändert am neuen Verb stehen zu lassen.
Mir fehlen zwei Blätter.
Zwei Blätter bestimmt die Pluralform fehlen.
Ich vermisse dich.
Ich empfinde dein Fehlen; dich steht im Akkusativ.
Überschneidung und Grenzen beachten
Fehlen ist nicht immer rein sachlich; eine Person kann dir sehr fehlen. Vermissen ist nicht immer starke Sehnsucht; es kann auch bedeuten, dass du das Fehlen eines Gegenstands bemerkst. Ein nicht mitgebrachter Schlüssel muss zudem nicht verloren sein. Vielleicht liegt er noch zu Hause. Ziehe aus einer bloßen Abwesenheit also keinen Verlustschluss, den der Text nicht hergibt.
Ein erfundener Austausch zum Anwenden
A: „Mir fehlt eine Seite in den Unterlagen.“ B: „Hast du sie verloren?“ A: „Das weiß ich nicht. Vielleicht wurde sie nie mitgeschickt.“ B: „Dann fragen wir nach.“
Die Szene ist erfunden. Sie zeigt den Unterschied zwischen einer sicheren Feststellung und einer möglichen Erklärung. Formuliere zusätzlich zwei gleichbedeutende Sätze über eine Person, die dir fehlt: einmal mit fehlen, einmal mit vermissen. Prüfe dabei bewusst, wer im neuen Satz Subjekt ist.
Sechs Aufgaben mit erklärten Antworten
Lies die Situation und das Schreibziel. Eine Modellantwort zeigt eine mögliche Formulierung; andere gleichbedeutende Antworten sind bei offenen Aufgaben ebenfalls möglich.
Eine Seite wurde möglicherweise nie mitgeschickt. Beweist „Eine Seite fehlt“ einen Verlust beim Empfänger?
Antwort und Erklärung anzeigen
Nein.
Fehlen nennt hier nur die Abwesenheit.
A: „Was fehlt dir?“ B: „Mir ___ zwei Seiten.“ Wähle fehlt oder fehlen.
Antwort und Erklärung anzeigen
fehlen
Zwei Seiten ist ein Subjekt im Plural.
Formuliere „Du fehlst mir“ mit vermissen und erkläre den Rollenwechsel.
Antwort und Erklärung anzeigen
Ich vermisse dich.
Ich wird Subjekt, dich Akkusativobjekt; die ursprüngliche Sehnsucht kann erhalten bleiben.
Setze verlieren ins Partizip II: Ich habe die Karte ___.
Antwort und Erklärung anzeigen
verloren
Die starke Form lautet verloren.
Ist fehlen immer ohne Gefühl?
Antwort und Erklärung anzeigen
Nein.
Eine Person kann jemandem sehr fehlen.
Kann vermissen auch das Bemerken eines fehlenden Gegenstands bezeichnen?
Antwort und Erklärung anzeigen
Ja.
Es ist nicht ausschließlich auf emotionale Sehnsucht beschränkt.
Häufige Fragen
Warum heißt es mir fehlen zwei Dinge?
Die Dinge sind das Subjekt im Plural. Mir ist eine Dativangabe.
Sind fehlen und vermissen immer Gegensätze?
Nein. Du fehlst mir und Ich vermisse dich können denselben persönlichen Mangel beschreiben.
