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Raten, beraten, verraten oder erraten: Was passt?

Raten kann einen Rat geben oder eine Vermutung äußern bedeuten. Beraten kann eine Person bei einer Entscheidung unterstützen. Verraten kann etwas bisher Unbekanntes preisgeben. Erraten kann das erfolgreiche Erschließen einer Lösung ausdrücken. Besonders wichtig ist der Unterschied zwischen jemandem raten und jemanden beraten.

Ein Rätsel und ein Beratungsgespräch benutzen ähnliche Verbformen, aber keine identischen Satzmuster. Ob dir jemand einen Rat gibt, dich berät oder dir das Ende einer Geschichte verrät, erkennst du an Bedeutung und Ergänzungen.

Die Wortfamilie im Überblick

Bedeutung und eigenes Satzbeispiel
VerbHier gemeinter SinnEigener Beispielsatz
ratenRat geben oder vermutenSie rät mir, anzurufen.
beratenhier bei einer Auswahl unterstützenSie berät mich.
verratenhier Information preisgebenSie verrät mir das Ende.
erratenhier Lösung richtig erschließenSie errät die Lösung.
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Einzelne Beiträge, Transkript und Audiodateien
  1. Sie rät mir zu einer Pause. Sie berät mich. Sie verrät mir das Ende. Sie errät die Lösung.

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Jemandem raten, jemanden beraten

Bei „Ich rate dir, vorher anzurufen“ bekommt eine Person einen Rat. Dir ist Dativ. Der Rat kann durch einen Infinitiv mit zu oder eine andere passende Ergänzung ausgedrückt werden. Raten hat außerdem eine Vermutungslesart: „Ich weiß es nicht; ich rate nur.“ Ein solches Raten ist noch kein Nachweis, dass eine Antwort stimmt.

Bei beraten steht die beratene Person dagegen in einer Akkusativgruppe: „Ich berate dich.“ Das Gespräch kann ausführlicher auf Möglichkeiten eingehen; diese Situation ist aber keine starre Zeitregel für die Wortwahl. Lerne den Kasusunterschied am vollständigen Muster, statt ihn aus der allgemeinen Bedeutung Hilfe abzuleiten.

Noor rät mir, den Termin zu prüfen.

Mir bezeichnet den Empfänger des Rats.

Noor berät mich bei der Auswahl.

Mich ist das Akkusativobjekt zu beraten.

Eine Lösung erraten oder ein Ende verraten

Wenn du die Lösung richtig erschließt, kannst du sie erraten haben. Wenn jemand dir die Lösung dagegen direkt sagt, kann er sie dir verraten. Die beiden Sätze beschreiben einen anderen Weg zur Information. Ein zunächst nur vermutetes Ergebnis ist nicht allein dadurch schon sicher erraten.

Verraten hat auch Bedeutungen wie eine Person hintergehen oder etwas unabsichtlich erkennen lassen. Diese weiteren Lesarten sind nicht in jedem Gespräch über ein Rätsel gemeint. In den Übungen ist ausdrücklich ein Preisgeben von Information vorgegeben, damit die Auswahl nicht allein auf einer offenen Mehrdeutigkeit beruht.

Die Formen im kurzen Austausch

Die Präsensformen heißen rät, berät, verrät und errät. Für die Partizipien lernst du geraten, beraten, verraten und erraten. Bei be, ver und er tritt in diesen Verben kein zusätzliches ge am Anfang auf. Das gemeinsame Muster erklärt nicht die unterschiedlichen Kasus der Personenergänzungen.

A: Soll ich raten, wie die Geschichte endet? B: Ja, ich verrate dir das Ende noch nicht. A: Wenn ich richtig liege, habe ich es erraten. B: Genau. Nach dem Rätsel kann dieselbe Person dich bei einer Buchauswahl beraten; der neue Zusammenhang verlangt wieder sein eigenes Satzmuster.

Das Verb nach Situation und Satzmuster wählen

Bearbeite zuerst die Situation und öffne dann die Modellantwort. Verwende die verlangten Verben und Formen. Bei offenen Begründungen sind andere gleichbedeutende Formulierungen möglich; die Beispiele sind keine automatische Bewertung freier Texte.

  1. Ergänze die Person bei beraten: Die Mitarbeiterin berät ___. Gemeint ist ich. (mir/mich)

    • mir
    • mich
    Antwort und Erklärung anzeigen

    mich

    In diesem Muster steht die beratene Person im Akkusativ.

  2. Ergänze die Person bei raten: Er rät ___, früher loszugehen. Gemeint ist ich. (mir/mich)

    • mir
    • mich
    Antwort und Erklärung anzeigen

    mir

    Der Empfänger des Rats steht in diesem Muster im Dativ.

  3. Dialog: A: Sagst du mir das Ende schon? B: Nein, ich ___ es dir noch nicht. Verwende verraten im Präsens.

    Antwort und Erklärung anzeigen

    Ich verrate es dir noch nicht.

    Der Kontext betrifft das Preisgeben einer Information.

  4. Setze erraten im Partizip II ein: Deine Vermutung war richtig; du hast die Lösung ___.

    Antwort und Erklärung anzeigen

    erraten

    Der Erfolg ist ausdrücklich angegeben. Das Partizip heißt erraten.

  5. Warum ist „Ich rate nur“ nicht automatisch derselbe Informationsstand wie „Ich habe die richtige Lösung erraten“?

    Antwort und Erklärung anzeigen

    Eine bloße Vermutung kann falsch sein; die zweite Aussage legt in der geübten Situation das erfolgreiche Erschließen fest.

    Der ausdrücklich genannte Erfolg verändert die Aussage.

  6. Bilde einen Satz mit beraten und der Person du im Akkusativ.

    Antwort und Erklärung anzeigen

    Ich berate dich bei der Auswahl.

    Dich ist die passende Akkusativform. Andere grammatische Sätze mit demselben Muster passen.

Häufige Fragen

Heißt es ich berate dir?

Für das hier geübte Muster heißt es ich berate dich. Beim Ratgeben kann es dagegen ich rate dir heißen.

Ist verraten immer jemanden hintergehen?

Nein. Es kann auch das Preisgeben einer Information meinen, etwa das Ende einer Geschichte verraten.

Quellen

Quellen zuletzt geprüft:

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