Den Anlass nennen statt nur ein Etikett verwenden
Neidisch passt häufig, wenn jemand auf einen fremden Vorteil blickt und ihn selbst gern hätte. Eifersüchtig passt häufig, wenn jemand Zuneigung, Aufmerksamkeit oder eine besondere Stellung gefährdet sieht. Das ist eine Orientierung am Bedeutungsschwerpunkt, keine feste Trennung jeder möglichen Situation.
Beim Stipendium steht der fremde Erfolg im Mittelpunkt, bei der Romanfigur die befürchtete verlorene Zuneigung. Ohne solche Angaben kann die Wahl offenbleiben.
Die Figur ist neidisch auf ihre Mitstudentin, weil diese das begehrte Stipendium erhalten hat.
Die Erzählung richtet den Blick auf den fremden Erfolg.
Im Roman wird Ben eifersüchtig, weil er glaubt, seine Partnerin interessiere sich nur noch für jemand anderen.
Die befürchtete verlorene Zuneigung erklärt hier die Wortwahl.
Das ältere Kind ist eifersüchtig auf das Baby, das plötzlich viel Aufmerksamkeit bekommt.
Eifersüchtig kann einen familiären Zusammenhang beschreiben; eine Liebesbeziehung ist nicht erforderlich.
Neidisch oder eifersüchtig auf jemanden sein
Beide Adjektive können mit auf stehen. In diesen Verbindungen folgt der Akkusativ: auf den Nachbarn, auf die Kollegin, auf ihn oder auf sie. Der Fall ergibt sich aus der Verbindung mit dem Adjektiv. Eine räumliche Bewegung ist dafür nicht erforderlich.
Bei neidisch kann die Ergänzung auch eine Sache oder einen Vorteil benennen: auf die lange Reise oder auf den Erfolg. Du kannst also die Person nennen, die den Vorteil hat, oder den begehrten Vorteil selbst. Wähle die Formulierung, die deinen Satz am deutlichsten macht.
Die auf-Ergänzung muss nicht wiederholt werden. Ist der Anlass bekannt, reicht beispielsweise Sie wurde neidisch. Bei einer Auswahl zwischen beiden Adjektiven braucht man den Kontext trotzdem.
| Muster | Beispielgruppe | Form |
|---|---|---|
| neidisch auf eine Person | auf den Gewinner | Akkusativ maskulin |
| neidisch auf etwas | auf die freie Zeit | Akkusativ feminin |
| eifersüchtig auf eine Person | auf ihn | Personalpronomen im Akkusativ |
Jonas ist neidisch auf den Gewinner des Wettbewerbs.
Auf den Gewinner steht im Akkusativ; die Person hat den begehrten Erfolg.
Die Erzählerin ist neidisch auf die freie Zeit ihrer Schwester.
Hier nennt die Ergänzung den gewünschten Vorteil selbst.
In der Szene ist Paul eifersüchtig auf ihn, weil er dessen Nähe zu seiner Freundin fürchtet.
Das Personalpronomen nach auf lautet ihn, nicht ihm.
Sein, werden und machen verwenden
Nach sein und werden bleibt das Adjektiv ohne Endung: Sie ist neidisch; er wird eifersüchtig. Sein beschreibt hier den Zustand, werden den Übergang dazu. In jemanden eifersüchtig machen steht die betroffene Person als Akkusativobjekt.
Vor einem Nomen bekommt das Adjektiv eine passende Endung: ein neidischer Blick, eine eifersüchtige Bemerkung. Wenn das Adjektiv beschreibt, wie jemand etwas tut, bleibt es in dieser Verwendung ebenfalls ohne Endung: jemanden neidisch ansehen. Prüfe also seine Funktion im Satz.
Die Nachricht macht die Hauptfigur eifersüchtig.
Die Hauptfigur ist das Akkusativobjekt von machen; eifersüchtig bleibt unverändert.
Im Film wirft die Konkurrentin einen neidischen Blick auf die Medaille.
Nach einen steht im Akkusativ maskulin die Form neidischen.
Der Erzähler beobachtet, wie die beiden neidisch auf den Pokal schauen.
Neidisch beschreibt das Schauen und erhält hier keine Adjektivendung.
Die Wörter lassen sich nicht nach Personenzahlen sortieren
Eifersüchtig ist nicht ausschließlich romantisch. Es kann auch darum gehen, Aufmerksamkeit oder einen Vorteil nicht teilen zu wollen. In Konkurrenzsituationen können neidisch und eifersüchtig deshalb nah beieinanderliegen. Das Wörterbuch führt sie auch als mögliche Synonyme.
Eine Regel mit genau zwei oder drei Beteiligten hilft bei der Wortwahl nicht zuverlässig. Andere Beteiligte können aus dem Text bekannt sein. Nenne für eine klare Aussage den Anlass.
Übe Adjektive, Ergänzungen und Endungen
Beachte den angegebenen Schwerpunkt. Die Lösungen beschreiben die Sprache fiktiver oder vorgegebener Situationen; bei offenem Kontext bleiben Alternativen zulässig.
Ergänze mit der passenden Form von der Freund: Die Figur ist neidisch auf ___, der eine große Werkstatt besitzt.
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den Freund
Nach neidisch auf steht Akkusativ. Der maskuline Artikel lautet hier den: auf den Freund.
Die Erzählung betont missgünstiges Verlangen nach dem fremden Erfolg: Sie gönnt ihrer Kollegin den Preis nicht und wäre selbst gern ausgezeichnet worden. Formuliere mit einem Adjektiv.
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Sie ist neidisch auf ihre Kollegin.
Neidisch trifft den vorgegebenen Schwerpunkt des begehrten Erfolgs. Eine Ergänzung zum Anlass macht die Aussage klarer.
Gesucht ist das Adjektiv für eine im Roman geschilderte Befürchtung, die Zuneigung des Partners zu verlieren: Die Figur wird ___.
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eifersüchtig
Die Aufgabe gibt bedrohte Zuneigung als Schwerpunkt vor; eifersüchtig ist dafür die passende Wahl.
Ersetze den Rivalen durch ein Personalpronomen: Im Film ist die Hauptfigur eifersüchtig auf den Rivalen.
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Im Film ist die Hauptfigur eifersüchtig auf ihn.
Die Ergänzung steht im Akkusativ; das Pronomen lautet ihn.
Setze neidisch mit der passenden Endung ein: Der Text beschreibt einen ___ Kommentar.
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neidischen
Einen Kommentar steht im Akkusativ maskulin. Das vorangestellte Adjektiv erhält die Endung -en.
Lässt sich bei Er ist ___ auf seinen Kollegen ohne weiteren Kontext eindeutig zwischen neidisch und eifersüchtig entscheiden?
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Nein, beide können je nach Anlass passen.
Der Kollege könnte einen begehrten Vorteil besitzen oder als Konkurrenz um Aufmerksamkeit wahrgenommen werden. Die Ergänzung allein entscheidet das nicht.
Häufige Fragen
Heißt es neidisch auf ihn oder auf ihm?
In der Verbindung neidisch auf jemanden sein heißt es auf ihn. Auf steht hier mit Akkusativ. Dasselbe gilt für eifersüchtig auf ihn sein.
Müssen neidisch und eifersüchtig im Satz eine Endung haben?
Nach sein und werden bleiben sie hier unverändert: Sie ist neidisch; er wird eifersüchtig. Vor einem Nomen brauchen sie eine passende Adjektivendung, etwa ein neidischer Blick oder eine eifersüchtige Reaktion.
